Biografie

Heinrich Strecker wurde am 24.2.1893 im 5. Wiener Gemeindebezirk geboren, im Lazaristenkloster in Theux in Belgien erzogen. An dieser Schule wurde der Grundstein zu seiner musikalischen Laufbahn gelegt. Er erlernte 12 Musikinstrumente, absolvierte an der Musikschule die Meisterklasse für Violine, schrieb mit 14 Jahren sein erstes Violinkonzert in A-Dur, das er dem damaligen belgischen König vortragen durfte und dafür eine hohe Auszeichnung erhielt. 1910 nach Wien zurückgekehrt, begann er Jura zu studieren, nachdem er vorher in Wels die Externistenmatura abgelegt hatte.
Danach widmete sich Strecker ausschliesslich der Musik, studierte zwei Jahre bei Prof. Camillo Horn, komponierte anfänglich Klassisches, aber die Wiener Musik, besonders das Wiener Lied, die Operette und das Singspiel haben seinen Ruf geschaffen.

Das Gesamtschaffen von Heinrich Strecker umfasst nicht weniger als über 350, mit Opus-Zahlen versehene Werke, der Grossteil davon sind Volkskompositionen, d.h. Lieder der verschiedensten Genres. Seine grössten Erfolge feierte er auf dem Gebiet des Wienerliedes und der Operette. Melodien wie „Drunt in der Lobau“, „Das war in Petersdorf“, „Ja, ja der Wein ist gut“, „Ja, hätt ma’s net, so tät ma’s net“, „Sing mir das Lied noch einmal“ sind weltbekannte Beispiele dieses Genres. Die Operetten „Mädel aus Wien“, „Der ewige Walzer“, „Ännchen von Tharau“ erlebten und erleben hunderte Aufführungen.
Über 20 Revuen wie „Lorelei“, „Erzherzog Johann“, „Die Kleine vom Zirkus“ entstammen seiner Feder. Filmmusik „Narren im Schnee“, „Meine Tochter lebt in Wien“, „Vier Mädels aus der Wachau“ und jede Art von Wiener Tanzweisen vom Marsch bis zum Walzer runden seinen musikalischen Einfallsreichtum ab.
Die Fertigstellung seiner letzten Operette „Honeymoon“, durfte Strecker noch erleben. „Honeymoon“ ist die vollständige Überarbeitung einer alten Vorlage, der Operette „Küsse im Mai“, die in der Welt eines Bienenstaates spielt. Auf Initiative der Witwe des Komponisten, Frau Reg.Rat Erika Strecker, fand die Uraufführung am 30. Juni 2002 in Baden bei Wien, 21 Jahre nach dem Ableben des Komponisten, statt. Für sein Schaffen erhielt Strecker hohe Auszeichnungen und viele Ehrenmitgliedschaften. Nach einem Herzinfarkt verstarb Prof. Heinrich Strecker am 28.6.1981 in Baden.

 


Heinrich Strecker in den Jahren 1933 – 1945

Nach eigenem Bekunden war Heinrich Strecker seit 1933, also noch vor dem „Anschluß“ Österreichs, Mitglied der NSDAP und bekleidete in der Folgezeit u.a. den Posten des „Gau-Obmanns der N.S. Kulturgemeinde Wien“. In dieser Funktion wurde er 1936 kurzfristig inhaftiert. Von seiner damaligen politischen Gesinnung zeugen von ihm als „Kampflieder“ bezeichnete Werke wie „Wach auf, deutsche Wachau“, „Deutsche Frau“ und „Deutsch-Österreich ist frei“.
Wie viele andere Künstler seiner Generation bemühte sich auch Heinrich Strecker um Erfolg im nationalsozialistischen Kulturbetrieb, was ihm mit seiner dem Zeitgeist der 1930er Jahre entsprechenden Operette „Ännchen von Tharau“ (1933) am ehesten gelang.
Seine wirtschaftliche Absicherung über seine (Neben-)Tätigkeit als Musikverleger („Wiener Excelsior-Verlag“ und „Wiener Bühnenverlag“) versuchte Strecker durch den Ankauf anderer Verlage auszubauen. Bei der Übernahme der Konkurrenzunternehmen „Edition Bristol“, „Sirius“ und „Europaton“ ist nach derzeitiger Quellenlage von einem Erwerb im Rahmen der sogenannten „Arisierung“ auszugehen.
Seit Jahren bemüht sich die Heinrich Strecker Gesellschaft um eine möglichst genaue Aufarbeitung des Zeitabschnittes zwischen 1933 und 1945 in Streckers Biographie und nimmt wissenschaftlich abgesicherte Ergänzungen gerne entgegen. Um dabei gleichzeitig Streckers künstlerischen Beitrag zum österreichischen Kulturerbe zu erhalten, plädiert die Heinrich Strecker Gesellschaft für eine sachliche Trennung von Person und Werk des Komponisten, so wie diese auch bei vergleichbaren Künstlerpersönlichkeiten jener Jahre akzeptiert worden ist. Insbesondere soll Streckers Leistung um die formale und inhaltliche Weiterentwicklung der Musik-Gattungen „Operette“ und „Wiener Musik/Wienerlied“ gewürdigt und weitergegeben werden.

Weiterführende Literatur:

    Prieberg Fred K.: Priebergs Handbuch Deutsche Musiker 1933 – 1945
    Klee Ernst: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945.
    Schaller, Wolfgang (Hrsg.): Operette unterm Hakenkreuz. Berlin 2007Schwarz, Ursula: (Dissertation) Das Wiener Verlagswesen der Nachkriegszeit. Eine Untersuchung der Rolle der öffentlichen Verwalter bei der Entnazifizierung und bei der Rückstellung arisierter Verlage und Buchhandlungen. Wien 2003